King Absurd

Draußen ist es finster, der Zug ist leer und ich hab keine Lust auf Arbeit. Laptop raus und King Arthur angemacht. Ich habe diesen Film nie gesehen, und hätte es wohl besser auch gelassen. Zum einen, weil das Bordrestaurant keinen Schnaps ausschenkt, zum anderen, weil ich nicht so viel saufen kann, dass ich es ertragen kann.

Dabei war der Ansatz so vielversprechend: Die möglichen Ursprünge der Artussage in der Völkerwanderungszeit, statt dieser albernen Märchenritter-Romantik. Herausgekommen ist nur unsinniges Fantasygeschwurbel. Lassen wir mal Dünnfug wie sächsische Armbrüste und typisch amerikanisch-pathetische Freiheitsschwafelei beiseite. Was haben die Macher eigentlich genommen, als das Drehbuch entstand? Ich kann mich nicht entsinnen, einen einzigen (Neben-)Charakter gesehen zu haben, der offenkundig über irgendwas verfügen könnte, was auch nur annähernd „gesundem Menschenverstand“ ähneln mag. Kein Setting, fast kein Detail ist irgendwie logisch. Wie soll diese ach so wichtige Römerfamilie so ewig nördlich des Walles durchgehalten haben, wenn selbst Artus und seine „Ritter“ sich nie zuvor dorthin wagten? Warum reiten die Kerls die ganze Zeit in so albernem Zeugs ‘rum, wenn sie offenkundig doch über ordentliche Ausrüstung verfügen? Kein westlicher Soldat täte dies 2011 in Afghanistan und ein intelligenter „Artus“ hätte es auch getan. Warum müssen eigentlich die Picten so rumgrunzen, dass man sie untertiteln muss, und Römer, (keltische) Britannier und Sachsen verstehen sich wunderbar ohne Dolmetscher? Und wo zum Geier kommt eigentlich mitten auf der Flucht in der Arschkälte der Badezuber für Keira Knightley her? Nur aus der notgeilen Notwendigkeit, etwas Frauenhaut zu zeigen. Denn nachvollziehbar ist es nicht, warum dieses Keltenmädchen sich durch ein Bad unter solchen Umständen eine Grippe-Garantie einhandeln sollte. Aber auch die Frau kann nicht drüber hinwegtrösten, dass hier sich keiner die Mühe machte, eine plausible Story zu erzählen. Es ist nur die öffentliche Masturbation des „Seht her, wie geile Bilder wir am Computer machen können“ und die Hoffnung primitiver Kerls auf nackte Keira, die beim Sex wenigstens recht sinnlich Mund und Wange zeigen darf.

Wie heißt das Gesetz, dass es Filmemachern verbietet, einmal zu versuchen, eine glaubwürdige und denkbare Story zu erzählen, ohne ein modernes sozialkritisches Betroffenheitsdrama zu sein? Und die klassischen antipäpstlichen Klischees, sind so billig wie der Wortschatz der sächsischen Krieger in der Schlacht.

Logik ist wohl einfach zu komplex verglichen mit Computeranimationen. Und dass die Herr-der-Ringe Verfilmung noch innere Logik und sinnvoll handelnde (und denkende!) Charaktere aufweist, scheint wohl nur der unverwüstlichen Brillianz der Buchvorlage geschuldet.

… und die Großen lässt man laufen?

Wieder ein Nackenschlag für alle, die an Rechtsstaatlichkeit glaubten.  Karl-Theodor Erlaubt Ist Was Gefällt zu Guttenberg darf gegen Zahlung von 20.000€ an die Kinderkrebshilfe weiterhin als Nicht-Vorbestrafter durch die Welt wandeln. Kommt jetzt das politische Come-Back des Mannes, der nur dadurch bestach, durch sein Auftreten von allem abzulenken? 23 Urheberrechtsverstöße in der Doktorarbeit? Hups, kann passieren, ich bin ja soooo überarbeitet. Wehrpflichtaussetzungsdurchsetzer? Gut, dass er den Sessel schnell genug räumen musste, sodass wer anders alle Unausgegorenheiten ausbaden musste.

In den heutigen Zeiten wünsche ich mir Politiker mit anderen Kompetenzen denn Showtalent, aber das ZDF sucht doch noch einen Gottschalk-Nachfolger: Gutti, übernehmen Sie?

Des Guidos neue Brille

Irgendwas irritiert mich seit Tagen, wenn ich Tagesschau sehe. Gestern abend wurde klar was: Guido Westerwelle hat eine  neue Brille. Nicht mehr diese dezente Randlose der vergangenen Jahre, sondern eine wuchtigere, dunklere: (zu sehen hier beim Stern). Es stellt sich dem Bürger (und potentiellen Wähler) die Frage: Warum Guido? War Dir einfach langweilig? Wolltest Du mal was Neues auf der Nase? Oder ist es ein Versuch, nach dem Verlust des Parteivorsitzes wieder in die erste Reihe der Aufmerksamkeit zu kommen? Oder bereitest Du einfach nur eine zweite Karriere als Roger-Willemsen-Double vor?

Befreit vom “Volk der Freiheit”

Silvio Berlusconi ist (vermutlich zum letzten Mal) abgetreten, auf den Straßen Italiens feiern Menschen und die Kameras der internationalen Medien halten drauf [http://www.tagesschau.de/ausland/berlusconi684.html] “Libertà, libertà!” rufen die Bürger des Stiefel-Staates. Es ist schon ein kleiner Treppenwitz der Geschichte, dass die Partei des abgesägten Cavaliere ausgerechnet “Popolo della Libertà” – Volk der Freiheit heißt. Ob die Italiener künftig wirklich den 12.11. als “Tag der Befreiung” feiern können, wird sich erst zeigen. Dem Steh-Auf-Männchen Silvio ist alles zuzutrauen, solange er noch auf der Erde wandelt

Den schönsten Kommentar lieferte Dieter Moor bei “titel, thesen, temperamente”, als er sich in seiner Kolumne “Schluß mit Moor” nicht nur Berlusconis Abgang widmete, sondern die Sendung mit einem “Es wäre uns ein persönliches Bunga-Bunga, wenn Sie auch nächste Woche wieder einschalteten.” beendete.

Zu blöd für Wetter

Die ARD sendet einen Brennpunkt, denn in Deutschland bleiben Lastwagen liegen, Züge im Bahnhof stehen und Flugzeuge am Boden: Katastrophe!

Katastrophe? Nein, Jahreszeiten nennt man das Phänomen. Der Winter mag vielleicht etwas unberechenbarer kommen als Weihnachten, aber er kommt weder überraschend, noch unvorhergesehen. Seitdem die Menschheit die gemäßigten und subpolaren Breiten besiedelt, ist ihr das Phänomen vertraut. Warum gibt es also jedes Jahr das Riesengezeter und die Überraschung? Weil die Natur sich selbst treu geblieben ist, aber die Menschen (zumindest der sogenannten „westlichen Welt“) mittlerweile zu dämlich sind, mit ihr zu Leben.Sie halten sich für modern und aufgeklärt, aber haben ein Weltbild, das genauso unpraktisch und dusselig ist, wie das von ihnen verlachte „Mittelalter“ (oder was sie dafür halten, aber das ist ein anderes Thema).

Die vormoderne Bevölkerung glaubte an Magie: Hexerei, Naturgeister, Fruchtbarkeitsriten. Der moderne Mensch lacht darüber, weiß er doch aus dem Biologieunterricht, dass nicht Opfergaben und Gebete, sondern Dünger das Korn besser wachsen lässt. Der Aberglaube unserer Zeit heißt „Technik und Fortschritt“. Große Naturgewalten, das gibt es doch nur noch in der Dritten Welt. Bei herrscht die Technik über die Natur: Flüsse sind eingedeicht und gegen den Schnee haben wir den Winterdienst. Wenn ein Fluss sich im Frühjahr sein Überschwemmungsgebiet wiederholt, ist nicht der Mensch schuld, der dort baut, sondern das Amt, da der Deich nicht reicht. Und wenn es mal richtig schneit, sind alle überrascht, dass der Winterdienst nicht sofort ihre kleine Seitenstraße räumt. Und vor allem: Die Wettervorhersage habe nicht gestimmt! Wir haben doch ein Recht auf perfekten Hochwasserschutz, Winterdienst und eine korrekte Wettervorhersage, wozu zahlen wir steuern?

Wer so argumentiert, der hat nicht wirklich begriffen, dass der Mensch mittlerweile zwar vieles kann, aber noch lange nicht alles. Und von dem Machbaren ist der Anteil des Bezahlbaren gering. Wir wollen zwar, dass der Winterdienst bei den stärksten Schneefällen idealerweise umgehend alle Straßen räumt, aber wir wollen (und könnten) das nicht bezahlen. Mit dem Fortschritt sind die Grenzen des Menschenmachbaren weit hinausgeschoben. Doch hinter diesen Grenzen bleibt immer die Natur die stärkere Macht. Warum also aufregen? Gelassen bleiben, hinnehmen und die Grenzen akzeptieren.

Warum soll ich das kaufen?

Sitzt man abends vor dem Fernseher und konsumiert nicht nur gebührenfinanziertes Kultur- oder Volkstümlichkeitsfernsehen, wird man regelmäßig freundlich daran erinnert, dass man als Konsument ein wichtiger Teil unserer Wirtschaftsordnung ist. Und bei diesen Kaufanregungen finden sich immer wieder welche, bei denen man sich an den Kopf fassen muss. Mehr von diesem Artikel lesen

Im Land der Dänen wähnen…

…würde ich mich doch zu gern, wenn ich mein Heim verlasse. In nur vier Tagen Kopenhagenurlaub merkte ich, was unsere Nachbarn uns voraus haben. Nein, nicht an jeder Ecke Røde Pølser und Hotdogs kaufen können. Auch möchte ich nicht bei jedem Cafébesuch und bei jedem Bier die hohe Mehrwertsteuer verfluchen müssen. Und bis wir Deutschen wirklich entspannt unsere Fahne in Vorgärten rumhängen lassen, wird noch viel passieren müssen. Was mir fehlt, sind die kleinen, grünen Smileys, die an den Gastronomietüren kleben.
Das System ist ganz einfach: Alle paar Monate kommen Inspekteure des Ministeriums für Nahrung, Landwirtschaft und Fischerei und kontrollieren das Lokal. Am Ende gibt es dann einen schriftlichen Bericht, den der Wirt gut sichtbar in Tür oder Schaufenster hängen muss und der auch im Internet veröffentlicht wird (www.fvst.dk). Und für alle Lesefaulen gibt es dann die Smileys, die in vier Abstufungen über dem Bericht prangen. Von ganz traurig :-( bist breit lächelnd :-) kann man sich schnell überlegen, ob man seinen Hunger wirklich da stillen will. Wer in den letzten 12 Monaten absolut makellos war, bekommt den :-) -Smiley mit dem Spruchband „ELITE“.
Ich war erstaunt, wie viele Straßenimbisse und Pølsevogn zur Hygiene-Elite der dänischen Verpflegungsbranche zählen. In den letzten 20 Jahren haben der „Dönermann“ und seine nicht-türkischstämmigen Parallelen in Deutschland die alten, schlichten Pommesbuden nicht nur hinsichtlich der Ladenflächen und Omnipräsenz beerbt, sondern auch, was den manchmal zweifelhaften Ruf angeht. Was von außen soweit ok aussieht, muss noch lange nicht hinter den Kulissen auch anständig sein, diese Wahrheit gilt für Gastronomie aller Genres und mehrerer Preislagen.
Zuhause weiß man ja, wo man ‘nen anständigen Döner oder ‘ne Curry-Pommes kriegt. Doch auswärts wechselt man schnell in den unauffällig-Laden-einschätz-Modus: Sieht’s von außen gut aus, reingehen und den Jungs auf die Finger gucken. Da haben die Dänen es einfacher: Wo Elite drauf steht, da haben es die Leute drinnen drauf, da braucht man nur noch testen, ob es schmeckt und nicht mehr, ob man es überlebt.
Aber was lese ich in der Zeitung, kaum dass ich wieder zuhause ankam? Die Verbraucherschutzministerin findet die Smileys doof. Naja, von Bayern ist es auch ein weiter Weg bis nach Dänemark…

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