King Absurd
27. November 2011 Hinterlasse einen Kommentar
Draußen ist es finster, der Zug ist leer und ich hab keine Lust auf Arbeit. Laptop raus und King Arthur angemacht. Ich habe diesen Film nie gesehen, und hätte es wohl besser auch gelassen. Zum einen, weil das Bordrestaurant keinen Schnaps ausschenkt, zum anderen, weil ich nicht so viel saufen kann, dass ich es ertragen kann.
Dabei war der Ansatz so vielversprechend: Die möglichen Ursprünge der Artussage in der Völkerwanderungszeit, statt dieser albernen Märchenritter-Romantik. Herausgekommen ist nur unsinniges Fantasygeschwurbel. Lassen wir mal Dünnfug wie sächsische Armbrüste und typisch amerikanisch-pathetische Freiheitsschwafelei beiseite. Was haben die Macher eigentlich genommen, als das Drehbuch entstand? Ich kann mich nicht entsinnen, einen einzigen (Neben-)Charakter gesehen zu haben, der offenkundig über irgendwas verfügen könnte, was auch nur annähernd „gesundem Menschenverstand“ ähneln mag. Kein Setting, fast kein Detail ist irgendwie logisch. Wie soll diese ach so wichtige Römerfamilie so ewig nördlich des Walles durchgehalten haben, wenn selbst Artus und seine „Ritter“ sich nie zuvor dorthin wagten? Warum reiten die Kerls die ganze Zeit in so albernem Zeugs ‘rum, wenn sie offenkundig doch über ordentliche Ausrüstung verfügen? Kein westlicher Soldat täte dies 2011 in Afghanistan und ein intelligenter „Artus“ hätte es auch getan. Warum müssen eigentlich die Picten so rumgrunzen, dass man sie untertiteln muss, und Römer, (keltische) Britannier und Sachsen verstehen sich wunderbar ohne Dolmetscher? Und wo zum Geier kommt eigentlich mitten auf der Flucht in der Arschkälte der Badezuber für Keira Knightley her? Nur aus der notgeilen Notwendigkeit, etwas Frauenhaut zu zeigen. Denn nachvollziehbar ist es nicht, warum dieses Keltenmädchen sich durch ein Bad unter solchen Umständen eine Grippe-Garantie einhandeln sollte. Aber auch die Frau kann nicht drüber hinwegtrösten, dass hier sich keiner die Mühe machte, eine plausible Story zu erzählen. Es ist nur die öffentliche Masturbation des „Seht her, wie geile Bilder wir am Computer machen können“ und die Hoffnung primitiver Kerls auf nackte Keira, die beim Sex wenigstens recht sinnlich Mund und Wange zeigen darf.
Wie heißt das Gesetz, dass es Filmemachern verbietet, einmal zu versuchen, eine glaubwürdige und denkbare Story zu erzählen, ohne ein modernes sozialkritisches Betroffenheitsdrama zu sein? Und die klassischen antipäpstlichen Klischees, sind so billig wie der Wortschatz der sächsischen Krieger in der Schlacht.
Logik ist wohl einfach zu komplex verglichen mit Computeranimationen. Und dass die Herr-der-Ringe Verfilmung noch innere Logik und sinnvoll handelnde (und denkende!) Charaktere aufweist, scheint wohl nur der unverwüstlichen Brillianz der Buchvorlage geschuldet.